Open Innovation in der Entwicklungszusammenarbeit

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Interview mit Christian Kreutz zum Launch des E-books mit Wolfgang Gumpelmaier-Mach vom Crowdfunding Service Magazin.

Wolfgang: Christian, du hast für die GIZ und das Alumniportal Deutschland das Projekt „10 innovations“ mit herausgegeben. Nun erscheint die Publikation als eBook. Was erwartet den Leser?

Christian: 10 spannende Kapitel, die den abstrakten Begriff Innovation mit Leben füllen. Die verschiedenen Kapitel geben einen Überblick und liefern praktische Hinweise, wie man einen offenen Innovationsansatz verfolgt. Dazu gehört eine Einführung zu Innovation Labs, aber auch die wichtige Frage der Finanzierung von guten Ideen zum Beispiel über Crowdfunding oder die Bedeutung von neuen Medien und Technologien für soziale Innovation. Wir haben versucht eine breite Palette von Stichwörtern, wie zum Beispiel Ideenwettbewerbe, Wissensallmende, Hackathon, Internet of Things u.a. abzudecken.

Wolfgang: An welche Zielgruppen richtet sich die Publikation?

Christian: Zunächst einmal an alle Personen, die mehr zum Thema offene Innovation in der internationalen Zusammenarbeit erfahren möchten. Die einzelnen Kapitel sind mit zahlreichen Beispielen bestückt, wie Organisationen Dank des Internets innovativer zusammenarbeiten. Aber auch spezifisch an Entscheidungsträger in Organisationen, die erfahren möchten, was die Erfahrungen dieser neuen Kooperationsformen sind und welche Konsequenzen das für traditionelle Organisation hat. Zum Beispiel kann man lesen wie Startups mit offen Geschäftsmodellen experimentieren und ihre Geschäftsgeheimnis in Form von Software offen legen und was es heißt, weltweit mit Menschen gemeinsam an einem Produkt zu arbeiten. Oder welche Bedeutung Social Media für interne Innovationsprozesse in Organisationen haben kann und wie man solche Prozesse systematisch aufbauen kann.

Wolfgang: Ich habe mit meinen Kollegen von ikosom auch ein Kapitel zum Thema „Crowdfunding in international development“ beigesteuert. Wie wichtig ist das Thema mittlerweile?

Christian: Crowdfunding gewinnt an Bedeutung in der internationalen Zusammenarbeit. Einige Akteure, wie Kiva.org oder Globalgiving.org haben gezeigt, dass Peer-to-Peer Unterstützung professionell umgesetzt werden kann und somit eine interessante Alternative zu traditionellen Finanzierungsarten darstellt. Ich sehe hier Crowdfunding als Teil eines Trends, mit neuen Formen der Finanzierung zu experimentieren, die viel mehr die Nutznießer in den Fokus des Investments bringen. Crowdfunding ist hier neben Impact Investing ein spannender Ansatz, der neue Akteure in das Feld der internationalen Zusammenarbeit bringt.

Wolfgang: Hat hier deiner Meinung nach ein Umdenken eingesetzt oder wird Crowdfunding nach wie vor eher unkoordiniert genutzt?

Christian: Die Zahlen zeigen, dass Crowdfunding in der internationalen Zusammenarbeit noch sehr klein ist im Vergleich zum traditionellen Geber-Engagement. Ich sehe viele spannende Projekte, die durch Crowdfunding gerade in der Entwicklungszusammenarbeit umgesetzt werden. Diese sind in der Tat nicht unbedingt koordiniert, was kein Nachteil sein muss, weil der Innovationprozess rund um das Crowdfunding viel offener organisiert ist, als in der traditionellen Entwicklungszusammenarbeit und sich dadurch einfacher Synergien ergeben. Zudem müssen beim Crowdfunding von Anfang Investoren gefunden werden, die auch an eine realistische Umsetzung glauben. Dieser Realtitäts-Check ist oftmals heilsam und hätte vielleicht auch so manch staatlich gefördertes Entwicklungsprojekt vor dem Scheitern bewahrt. Dafür sehe ich beim Crowdfunding oft das Problem, dass die Genialität der Idee im Vordergrund steht, anstatt einer innovativen Lösung für ein akutes Problem. Zudem sehe ich beim Crowdfunding weitgehend ein Nord-Süd Transfer von Innovation und Geld. Ich würde mir wünschen, dass lokale Ideen hier viel mehr unterstützt werden, weil solche Lösungen oftmals viel nachhaltiger sind.

Wolfgang: Welche Chancen und Konsequenzen ergeben sich dadurch für Organisation/NGOs in der internationalen Zusammenarbeit?

Christian: Ich sehe in dem Open Innovation-Ansatz eine neue Art der internationalen Zusammenarbeit, die nicht auf traditionelle Organisationen beschränkt ist, wie es in der Vergangenheit oftmals der Fall war. Heutzutage können vielfältige Akteure von der Einzelperson bis zur großen Organisation viel einfacher zusammenarbeiten. Ideen finden viel einfacher Verbreitung, werden über offene Innovation, insbesondere dem Open Source-Ansatz, viel breiter diskutiert und früh erprobt. Hier stellt sich gemeinnützige Organisation die Frage, welche Herausforderungen nur noch organisationsintern gelöst werden sollen. Neue Technologien bieten hier einen faszinierenden Rahmen für Zusammenarbeit, die letztlich auch helfen Ressourcen zu sparen. Doch bei allem Technologie-Enthusiasmus muss klar sein, dass technologiefreie Lösungen oftmals besser sind. Zudem dürfen wir nicht unterschätzen, welch großer Kulturwandel in Organisationen vonnöten ist, offene Innovation umzusetzen, die klassischer Organisationsformen zuwider läuft.

Wolfgang: Vielen Dank für das Gespräch!

Referenz

Handbuch für soziale und offene Innovation. Entwickelt für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.